Zur Rolle von Dritten in den Dynamiken der Gewalt: Empirische und theoretische Perspektiven

Kolloquium
Datum: 
Freitag, 12. Juni 2015 - 9:30 - 18:30
Teilprojekt: 
Ort: 
Centre Marc Bloch, Berlin
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Workshop

Organisiert von Hendrik Bursee (Universität Hannover) und Teresa Koloma Beck (Centre Marc Bloch) im Rahmen der Nachwuchsgruppe "Urbane Gewalträume" im deutsch-französischen Forschungsverbund Saisir l’Europe

Aufbauend auf einer breiten Strömung der Geistes- und Sozialwissenschaften gerät die Figur des "Dritten" immer mehr in den Fokus der Theoriebildung innerhalb der Gewaltforschung. Dies gilt gerade für die Arbeiten, die sich nachhaltig von Trutz von Trothas Diagnose, die Gewaltforschung verliere ihren eigentlichen Gegenstand aus den Augen – die Gewalt als soziales Handeln –, haben irritieren lassen und an einer Theorie der Gewalt und ihrer phänomenologischen Beschreibung arbeiten. Hierbei ist eine Reihe von Konzepten entstanden, die den Dritten als ein konstitutives Element triangulärer sozialer Dynamiken der Gewalt verstehen (vgl. z.B. Reemtsma 2008, Koloma Beck 2011, Lindemann 2014). Gerade in der Betonung der kommunikativen Dimension von Gewaltakten, zeigen diese Arbeiten einen Weg auf, um mögliche ordnungsbildende Funktionen von Gewalt zu begreifen und deren Bedeutung für globale und lokale Konkurrenzen um Legitimität und Aufmerksamkeit zu verstehen. Gleichsam eröffnet der Zugang zum Phänomen der Gewalt über die Figur des Beobachters und Adressaten von Kommunikationsakten den Blick auf mit Gewalthandeln verbundene Prozesse der Identitätskonstruktion.

Bislang finden diese soziologisch-theoretischen Debatten weitgehend unabhängig von der der empirisch arbeitenden Konflikt- und Gewaltforschung statt. Dabei gibt es in unterschiedlichen Forschungsfeldern, etwa der Terrorismus-, Bürgerkriegs- und Genozidforschung, durchaus vielversprechende Auseinandersetzungen mit verschiedenen Figuren des Dritten und der kommunikativen Dimension von Gewalt. Diese zeigen empirisch, welche Vielfalt von Akteuren und Figurationen sich mit der Figur des Dritten verbindet. Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen bringt dieser Workshop theoretisch und empirisch arbeitende SozialwissenschaftlerInnen aus Soziologie, Politikwissenschaft und Ethnologie zusammen, um die Frage nach er Rolle von Dritten in den Dynamiken der Gewalt zu diskutieren.

Ein Plakat und das Programm der Veranstaltung sind als PDF-Dokumente beigefügt.

Permanente URL: http://www.saisirleurope.eu/node/5683

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