Anne Lammers

Status: 
Doktorand(in)
Teilprojekt: 
Sozialstaat

Institut: 
Humboldt-Universität zu Berlin

Aktuelles Projekt

Arbeitstitel: Statistische Konstruktionen Europas. Eurostat und die Europäischen Gemeinschaften von 1952 bis 1985

Zentraler Untersuchungsgegenstand meines Forschungsprojektes ist Wissen in Form von Statistiken wie es von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaften, bereitgestellt wurde. Innerhalb meines Untersuchungszeitraums von etwa 1952 bis 1985 möchte ich die Produktion und Verbreitung bzw. Rezeption statistischen Wissens untersuchen, und zwar insbesondere hinsichtlich solcher Daten, die Aussagen über soziale und wohlfahrtsstaatliche Strukturen in den Gemeinschaften zu unterschiedlichen Zeitpunkten machten.

Dabei verläuft die Analyse nicht nur auf rein institutionsgeschichtlicher Basis, sondern fragt insbesondere nach Sinnzusammenhängen gemeinschaftlich-europäischer "Realitäten", die nicht zuletzt durch die Statistiken konstruiert und durch sie wahrgenommen wurden. Damit ist das weitergehende Erkenntnisinteresse nach Ideen, Vorstellungen und Konzepten über die Gemeinschaften verknüpft, welche auf diese Weise nicht nur Teil der Statistik, sondern auch gesellschaftlicher Debatten über sie wurden.

Der Sozialstaat in Europa ist historisch eng an den Nationalstaat gebunden. Die Produktion statistischer Expertise für den und über den Sozialstaat fand daher in erster Linie im Rahmen von Nationalstaaten statt. Seit dem 19. Jahrhundert versuchten europäische oder internationale Netzwerke und Organisationen, Sozialstatistiken zu vereinheitlichen, um sie auch international vergleichbar zu machen. Aber erst mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl wurde ein „über-nationales“ statistisches Amt gegründet, das die Mitgliedsländer zur Einhaltung gewisser Standards und somit zur „Vergleichbar-Machung“ von Statistiken verpflichten konnte. Die Europäischen Gemeinschaften brauchten soziales Wissen über die Gemeinschaften und ihre Bevölkerung, um die Auswirkungen der Schaffung eines Gemeinsamen Marktes auf die Lebensbedingungen überwachen zu können oder um in Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten auf gesichertes, vergleichbares statistisches Material zurückgreifen zu können. Wichtige sozialstatistische Themen, die sich dabei früh herauskristallisierten, waren die Ausgaben, Funktionen und Leistungen des Sozialschutzes, Löhne und Lohnkosten, Arbeitsmarktstruktur und Arbeitslosigkeit, aber auch die Agrarstatistik mit ihren Strukturerhebungen über Betriebsgrößen, Ausbildungsstand von Landwirten, Verdiensten in der Landwirtschaft etc. Veröffentlicht wurden aber auch vergleichbare Bevölkerungsdaten sowie „Statistiken über soziale Bedingungen und Tendenzen in den Mitgliedländern“, die sogenannten Sozialindikatoren.

Als Historikerin interessiere ich mich insbesondere für die frühen Versuche Eurostats, vergleichbare Statistiken zu generieren. Diese Herangehensweise erlaubt mir außerdem die Sichtung des Archivmaterials, das in der Regel erst nach 30 Jahren zugänglich ist. Trotzdem möchte ich auch die Entwicklung der letzten drei Jahrzehnte nicht unberücksichtigt lassen und versuchen, einen Teil meiner Arbeit der Frage nach der aktuellen Entwicklung Eurostats zu widmen.

 

Akademische Ausbildung

2004–2008

Bachelor in Geschichte und Anglistik an der Universität Bielefeld und der Universidad de Salamanca

2008–2011

Master in Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin

Dissertationsprojekt

04/2012–11/2013

Promotionsstipendiatin der Elsa-Neumann-Stiftung des Landes Berlin

Seit 01/2013

Mitglied im Deutsch-Französischen Doktorandenkolleg „Unterschiede denken II: Struktur – Ordnung – Kommunikation“ / Erhalt von Mobilitätsbeihilfen für Archivrecherchen

Seit 12/2013

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt Saisir l’Europe in der Arbeitsgruppe „Herausforderung Sozialstaat“

Arbeitserfahrung

06/2008–06/2010

Studentische Hilfskraft im Projekt „Historische Statistik Europas im 20. Jahrhundert“  unter der Leitung von Prof. Dr. Gabriele Metzler und Dr. Rüdiger Hohls

05/2009–12/2009

Werkvertrag im Projekt „Terrorismus und Staat“ und Durchführung von Recherchen am Lehrstuhl der Geschichte Westeuropas und der transatlantischen Beziehungen von Prof. Dr. Gabriele Metzler

Seit 06/2010

Redaktionelle Tätigkeit im Themenportal Europäische Geschichte (www.europa.clio-online.de)

01/2012–03/2012

Werkvertrag zur Unterstützung der Konzeption des Nachfolgeantrages des Deutsch-Französischen Doktorandenkollegs

01/2013–12/2013

Werkvertrag für die inhaltliche, organisatorische und teilweise technische Betreuung der Webseite des Deutsch-Französischen Doktorandenkollegs (http://www.differences-differenzen.eu/)

Publikationen

Daten für das "Europa der Sechs". Sozialstatistiken für die Europäischen Gemeinschaften der 1950er- und 1960er-Jahre. In: Themenportal Europäische Geschichte (2013),  URL: http://www.europa.clio-online.de/2013/Article=665.

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