Lucas Hardt

Status: 
Gruppenleitung
Teilprojekt: 
Urbane Gewalträume

Institut: 
Centre Marc Bloch

Promotionsprojekt:

Arbeitstitel: „Zwischen Räumen und Fronten. Algerische Migranten im lothringischen Grenzgebiet 1945 – 1965“

Das Dissertationsprojekt schließt an eine rezente Forschungsrichtung in der französischen Geschichtswissenshaft an, die sich aus einer regionalen Perspektive mit den Auswirkungen des algerischen Unabhängigkeitskriegs (1954-1962) auf das französische Mutterland befasst. Am Beispiel der algerischen Migranten, die sich seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Grenzgebiet Lothringen-Saarland aufhielten, soll gezeigt werden, in welcher Intensität die damalige Hochburg der Kohle-, Eisen- und Stahlindustrie von dem Kolonialkrieg direkt betroffen war. Besonders deutlich wird dies anhand des inneralgerischen Kriegs zwischen Aktivisten des Front de Libération Nationale (F.L.N.) und des konkurrierenden Mouvement National Algérien (M.N.A.) ebenso wie an den Repressionen und Verfolgungen durch die französische Polizei und Armee. Ihr jeweiliger exklusiver Anspruch an alle Algerier auf (politische) Gefolgschaft spiegelte sich in Lothringen in einem System konkurrierender Gewaltordnungen wider, deren Wirkungsmacht an den nahe gelegenen Staatsgrenzen zwar nachließ, aber keineswegs endete. Dies hatte zur Folge, dass Algerier außer in Lothringen auch im damals formal unabhängigen Saarland, in der Bundesrepublik, in Belgien und in Luxemburg zur Zielscheibe von Stigmatisierungen, massenhaften Polizeikontrollen und Mordanschlägen wurden.
Neben der Frage, mit welchen Strategien algerische Migranten diesen Regimen begegneten, werden auch verschiedene transnationale Kommunikations- und Ordnungsformen der Gewalt untersucht. Mittels des Fokus auf eine Grenzregion wird ferner herausgearbeitet, inwiefern lokale Akteure dies- und jenseits der französischen Grenzen in die Auseinandersetzungen um die algerische Frage involviert waren. Auf diese Weise kann der algerische Unabhängigkeitskrieg auch in seiner internationalen Dimension und somit als ein wichtiger Bestandteil europäischer Geschichte beleuchtet werden.

 

Kurzlebenslauf:

Seit Oktober 2012

BMBF Stipendiat des Centre Marc Bloch

 

15.5.2012 – 15.9.2012

Resident Fellow am Deutschen Historischen Institut Paris

 

1.12.2011 – 31.4.2012

Stipendiat des Deutschen Historischen Institut Paris

 

1.9.2011 – 31.11.2011

Wissenschaftliche Hilfskraft mit Abschluss im Sonderforschungsbereich 600 an der Universität Trier

 

Seit August 2011

Doktorand an der Universität Trier bei Prof. Dr. Lutz Raphael

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