Axel Dröber

Status: 
assoziierte(r) Doktorand(in)
Teilprojekt: 
Urbane Gewalträume

Institut: 
Universität Freiburg

Promotionsprojekt:

„Nation, Militär und Gesellschaft im postrevolutionären Frankreich: zur gesellschaftlichen und politischen Bedeutung der französischen Nationalgarde 1814-1850“

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Geschichte der französischen Nationalgarde zwischen 1814 und 1850. Die Nationalgarde war eine Geburt der Revolution von 1789, als sich der Pariser Dritte Stand selbst bewaffnete und die Kontrolle über den öffentlichen Raum der Stadt an sich zog. Daraufhin kam es auch in den meisten Städten Frankreichs zu einer breiten Bewaffnungsbewegung, mit der das französische Bürgertum für die Durchsetzung und Wahrung seiner Interessen sorgte. Mit der Verfassung der ersten konstitutionellen Monarchie von 1791 wurde die Nationalgarde fest im institutionellen Gefüge des Landes verankert, spätestens ab diesem Zeitpunkt symbolisierte sie die Entstehung der souveränen und freien Nation. Damit war sie aus der französischen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Dies zeigte sich daran, dass die zurückgekehrte Monarchie von 1814 sowie die darauffolgende Julimonarchie an der Nationalgarde festhielten. Dabei war das Verhältnis der Monarchie zur Nationalgarde stets ein ambivalentes, da sie sich nur begrenzt zum Prinzip der Volksbewaffnung bekannte, diese Bewaffnung aber von Angehörigen der Nationalgarde permanent eingefordert wurde. Diese standen der Monarchie zwar nicht ablehnend gegenüber, doch registrierten die Gardisten sehr genau, an welcher Stelle das Regime das Erbe der Revolution tendenziell in Frage stellte und den Versuch unternahm, auf die Verhältnisse des Ancien Regime zu rekurrieren.

Das Erkenntnisinteresse des Forschungsprojekts besteht in der Untersuchung, wie Revolution und Kaiserreich einen Erfahrungsraum darstellten, hinter den die Monarchie nicht zurückgreifen konnte. Das Projekt geht der Frage nach, wie im Zeitraum 1789 bis 1814 sich eine spezifische Nationsvorstellung etablierte, die die Möglichkeitsbedingungen aller folgenden Regime von Monarchie und hernach Zweiter Republik stark prägte. Mithin wurden die Legitimationsstrategien der politischen Akteure besonders herausgefordert, da sie permanent an der Erfahrung der Nation gemessen wurden. Zugleich ist zu beobachten, wie die Nation in Frankreich eine Gewalt- und Kriegsgeburt war. Die Selbstbewaffnung der Pariser Nationalgardisten diente der Verteidigung der neuen politischen Ordnung, die darüber hinaus ab 1792 immer wieder in den revolutionären und napoleonischen Kriegen verteidigt wurde. Krieg und Gewalt führten dazu, dass sich ein partizipatives Nationsverständnis nachhaltig etablierte, und dass die Angehörigen der Nationalgarde nach 1814 immer wieder aktiv wurden, indem sie vor dem Hintergrund ihres Einsatzes für die Nation während der Revolution und dem Kaiserreich vehement das Recht auf Waffen oder die Teilnahme an Parlamentswahlen einforderten.

 

Kurzlebenslauf:

Seit Februar 2013

Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Geschichte des Romanischen Westeuropa, Universität Freiburg i. Brsg.

Oktober 2011-Januar 2013

Resident Fellow am Deutschen Historischen Institut Paris (DHIP)

Seit Januar 2011

Doktorand am Lehrstuhl für Geschichte des Romanischen Westeuropa, Historisches Seminar Universität Freiburg i. Brsg., Betreuer: Jörn Leonhard

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